Mittwoch, 10. Juni 2015

Einstellung des Verfahrens gegen mich

EINSSTELLUNG MA 67 123/4/5/67

Mittlerweile muss man beim Parken aufpassen wie ein Wild am Wasserloch - aber das hilft nichts, denn auf doppelte Kosten des Bürgers sind Heerscharen von Fallenstellern unterwegs, und sie lassen sich allerlei fiese Finten einfallen. In Wien finden es die Behörden nicht mehr wert, Aufkleber von Zusatztafeln zu entfernen. Einfacher und einträglicher ist es da schon, getäuschte Autofahrer zu strafen. An die Magistratsabteilung 67 Parkraumüberwachung erging daher folgendes Schreiben.

Kurzversion: Unkenntliche Kundmachung

Ich hatte auf dem sackstraßenartigen Parkplatz in der Schöpfleuthnergasse einen Parkplatz gesucht. Der war jedoch so überfüllt, dass ich am Ende nicht wenden konnte und reversieren musste, als die gegenständliche Stellfläche weiter vorne frei wurde. Ich sah sehrwohl die Parkverbotstafel, die Zusatztafel „Ende“ war jedoch überklebt und daher für mich unkenntlich. Ich musste also davon ausgehen, dass das Parkverbot hinter der Tafel beginnt und für den gegenständlichen Parkplatz nicht gilt.

Wie sich herausstellte, war der Missstand der überklebten Tafel der Behörde nachweislich bekannt und wurde bis dato wider besseres Wissen nicht behoben. Zur Begründung dieser Pflichtversäumnis bediente sich der Auskunft erteilende Beamte nachweislich der Lüge. Es ist also von Unwillen oder Boswill der Behörde auszugehen.

Die Strafverfügung wird daher aufgrund bewusst unkenntlicher Kundmachung negativ beschieden und das Verfahren durch meine Person eingestellt. Gleichzeitig wird an die Behörde wegen Pflichtvergessenheit eine schwere Rüge erteilt. Weiters ergeht eine Beschwerde über das Verhalten des Auskunft erteilenden Beamten, der nachweislich log (siehe Langversion).

Alle Betreffenden werden zur Besserung auf- sowie eine schriftliche Entschuldigung eingefordert.

Langversion: Vorsatz, Faulheit, Boswill, Wucher und Lügen

Bei genauerer Betrachtung erwies sich der gegenständliche Aufkleber auf der Zusatztafel bereits als deutlich bewittert. Wie im Gespräch mit dem zuständigen Beamten festgestellt, ist der Behörde die Unkenntlichkeit der Zusatztafel seit längerem bekannt – es liegt laut Auskunft des Beamten sogar ein Foto der mangelhaften Beschilderung vor. Es drängt sich die Frage auf, zu welchem Zweck dieses wohl von wem aufgenommen worden sein mag – ich vermute einmal von einem Ihrer vorhergehenden Opfer – denn eine Herstellung des ordnungsgemäßen Zustandes fand bislang nicht statt.

Nach einer Ausrede für diese Pflichtvergessenheit befragt, behauptete der Polizeibeamte, erstens sei mir die überklebte Tafel zuzumuten, und zweitens seien in Wien sämtliche Verkehrszeichen überklebt. Eine Reinigung hätte lediglich zur Folge, dass die Tafel binnen 24 Stunden erneut überklebt würde. Mit anderen Worten feiern wir in unserem schönen Land mittlerweile solche Urstände, dass die Staatsdienerschaft dem Bürger ins Gesicht erklärt, warum es aus Ihrer Sicht völlig sinnlos sei, ihrer Arbeit nachzugehen!

Außerhalb der geschützten Schreibstuben des Staatsdienstes würde eine solche Meldung zur sofortigen Entlassung führen. Und zwar völlig zu Recht. Denn wenn mir ein Polizeibeamter erklärt, dass es grundsätzlich nicht erforderlich sei, den ordnungsgemäßen Zustand eines Verkehrszeichens herzustellen, und dass es dem Bürger durchaus zuzumuten sei, deswegen Strafe zu zahlen, dann sage ich, dass ich einen solchen Polizeibeamten nicht brauche! Der soll bitte zur selben Stunde seine Dienstwaffe abgeben und meinetwegen bei McDonald’s Kartoffeln schälen! Das betrifft ebenso alle, die sonst mit dieser Sache zu tun beziehungsweise eher nichts zu tun haben.

In meiner unendlichen Langmut entgegnete ich jedoch, das sei erfreulich zu hören, da demzufolge die Täterschaft durch Beobachtung binnen durchschnittlich 12 Stunden festgestellt werden könne, zumal es sogar eine Institution gebe, die von Staats wegen mit derlei Aufgaben betraut sei, und die nenne man Polizei. Ob er das schon einmal gehört habe? Das brachte den guten Mann sichtlich aus dem Konzept, und er meinte, sicher würde niemand einen Aufkleber auf einer Zusatztafel anbringen, solange ein Polizist daneben stünde. Mit einem Seufzen meinte ich, er solle sich zur Fortbildung vielleicht einige Fernsehkrimis ansehen, da sehe man, wie man so etwas mache … Wie befähigt kann jemand sein, über Recht und Ordnung zu befinden, wenn ihm gleichzeitig die elementarsten Aufgabengebiete und Vorgehensweisen der Polizei unbekannt sind? Und solch eine Zumutung in Uniform glaubt tatsächlich, darüber befinden zu wollen, was mir zuzumuten sei?

Damit nicht genug, muss man sich vor Ort nur umsehen, um buchstäblich hunderte nicht überklebter Schilder zu sehen. Ein Aufkleber direkt über einem Text fand sich sonst weit und breit nirgends. Entweder leidet der Mann an Wahrnehmungsstörungen, oder es handelt es sich um eine faule Ausrede und eine billige Lüge dazu. Um die eigene Faulheit zu rechtfertigen, ist der Behörde das Stilmittel der offenkundigen Lüge also gerade recht – eine beachtliche kriminelle Energie für Gesetzeshüter. Ich hege ja den Verdacht, dass Ihnen der Aufkleber in Wahrheit sehr gelegen kommt, Sie diesen absichtlich nicht entfernen lassen und stattdessen Bürger arglistig in die Falle locken, um sie abzuzocken, und das nach oben als Ergebnis ihrer Arbeit ausgeben!

Und damit noch immer nicht genug, garnieren Sie all das noch mit gehörigem Wucher. Denn wenn die Staatsdienerschaft zu 30 Euro Strafe für Nichts und wieder Nichts 50 Euro Zuschlag verlangt, um sich nach Ablauf von einigen Monaten dazu herabzulassen, dem gemeinen Bürger überhaupt einmal zuzuhören, dann frage ich mich, wer solche Personen glauben zu sein. Und ich sage Ihnen: Sie sind es nicht! Ich sage: Fort mit solchen Behörden und Beamten – mögen sie sich gemeinsam mit den von ihnen bislang Befuchtelten um einen Job an der Billa-Kasse bewerben, damit wieder Verfassung, Recht und Ordnung in unserem Land einkehren!

Realistisch betrachtet, dauert das aber noch etwa zehn Jahre.

Wie dem auch sei: Das einzige, was hier sicher nicht zumutbar ist, das ist eine Behörde, die über Monate hinweg nicht willens oder in der Lage ist, einen Herrn in Orange zu beauftragen, einen Lappen und etwas Reiniger zur Hand zu nehmen und den gegenständlichen Aufkleber in zwei Minuten zu entfernen, und statt dessen dem Bürger erklärt, dass ihm saftige Strafen als Ergebnis ihrer Untätigkeit durchaus zuzumuten seien!

Androhung von Konsequenzen

Es ist allenthalben zu beobachten, wie die Behörden in fachlicher und menschlicher Hinsicht völlig versagen, sich dabei aber benehmen wie der Hahn am Mist. Meiner persönlichen Ansicht nach sollten solche Beamte ohne jedwede Ansprüche fristlos entlassen werden. Man muss sich ja vorstellen, dass es hier um einen Aufkleber auf einer Zusatztafel geht – was aber passiert im Ernstfall?

Ich hätte Ihnen die Möglichkeit geboten, ganz wie es unter gewöhnlichen Menschen üblich ist, sich für meinen Hinweis freundlich zu bedanken, sich für das Versäumnis zu entschuldigen, das Verfahren einzustellen und den Aufkleber entfernen zu lassen. Sie haben sich dazu entschlossen, gegenteilig zu handeln und sich bei aller Nacktheit als Kaiser aufzuspielen. Ich darf Sie aber daran erinnern, dass die Kaiserzeit in Österreich vorbei ist und Sie vom Bürger bezahlt werden, um ihm zu dienen, und nicht, um ihm Gruben zu graben.

Ich kann Ihnen jedenfalls, wie oben angeklungen, glaubhaft und zuverlässig versichern, dass es dem Bürger mit Ihnen und Ihresgleichen wirklich reicht, und gebe Ihnen den gutgemeinten Rat, den Bogen der Nachlässigkeit, Faulheit, Pflichtvergessenheit, Unfähigkeit, Frechheit, Verlogenheit, Anmaßung und Selbstüberschätzung nicht zu überspannen.

Sollten Sie die oben ausgesprochene Einstellung des Verfahrens nicht zur Kenntnis nehmen, werden Sie sich vor Gericht für Ihre Pflichtvergessenheit und Verlogenheit zu verantworten haben!
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen