Mittwoch, 11. März 2015

Fristlose Entmündigung


 
Sehr geehrte Damen und Herren,

eine Zeit lang hatte es so ausgesehen, als würde der behördliche Wildwuchs im Zuge der Einführung der elektronischen Datenverarbeitung zumindest ein wenig eingedämmt. Welch eine vergebliche Hoffnung!

Für die Wohnbeihilfe benötige ich eine Privathaushaltsbestätigung – mittlerweile weiß ich sogar, was das ist: Es handelt sich um einen Nachweis, dass ich dort wohne, wo ich wohne. Ich bekomme also an meine Adresse ein Formular zugestellt, in welches ich meine Adresse einzutragen habe, um eine Bestätigung zu erhalten, dass ich an dieser Adresse wohne, die dann an den Absender zu retournieren ist.

Laut dem Amt der Landesregierung ist diese Bestätigung im Magistrat der Stadt einzuholen. Also schrieb ich eine Mail an letzteres des Inhalts, man möge die Bestätigung doch an erstere schicken; so sei die Arbeit die halbe. Dass dies erforderlich ist, scheint aus meiner Sicht zwar eigentlich schon eine Zumutung, aber was tut man nicht alles. Kurz darauf erfolgt ein Rückruf: Das gehe so also überhaupt nicht! Ich müsse mich schon persönlich ans andere Ende der Stadt bemühen!

Dort erfuhr ich jedoch, dass die Ausstellung einer Privathaushaltsbestätigung nur mit dem originalen Antragsformular der Landesregierung möglich sei – man könne doch nicht einfach mit einem Reisepass vorstellig werden und ernsthaft erwarten, dass man eine Bestätigung erhalte! Nein, der Reisepass genüge keineswegs, und ein anderes Formular erneut auszufüllen, sei ein Ding der Unmöglichkeit! 

Leider hatte ich das originale Formular jedoch bereits ausgefüllt und an die Landesregierung retourniert, in der irrigen Meinung, diese könne die erforderliche Bestätigung mit meiner Einwilligung schließlich am raschesten selbst beim Magistrat einholen. Aber, wie man bereits gesehen hat: Weit gefehlt! Eine Kommunikation zwischen Stadt- und Landesregierung ist beiderseits zuverlässig auszuschließen.
 
Immerhin, so erfuhr ich, könne ich die Privathaushaltsbestätigung auch beim Bürgerservice 200 m von meinem Hauptwohnsitz entfernt erhalten – ich hatte den Weg ans andere Ende der Stadt also doppelt umsonst gemacht. Mit dem von der Landesregierung rückgeforderten und einige Tage später retournierten Formular ging ich also zum Bürgerservice ums Eck.

Dort war die Neuigkeit dergestalt, dass meine Adresse weder eine Angabe des Stockwerks noch der Türnummer beinhalte. Ich meinte, das sei weiters nicht verwunderlich, da es sich um ein Einfamilienhaus handle. Selbige hätten im Regelfall nur eine Haustür und die zumeist im Erdgeschoß; die Angabe einer Türnummer bzw. eines Stockwerks sei daher abkömmlich.

Die Dame möge also in der Amtshandlung fortfahren. Das, so erwiderte diese, sei ihr leider nicht möglich; es müsse „im System“ zuvor die Anmerkung „Erdgeschoß“ eingetragen werden. Mein Einwand, dass ich auch das Obergeschoße meines Hauses bewohne, auch wenn sich der Briefträger zumeist ebenerdig nähere, und sie meinetwegen eintragen solle, was sie wolle, wurde hinweggewischt:

Ich müsse mich zum Magistrat am gegenüberliegenden Ende der Stadt bequemen. Nur dort könne der Eintrag erfolgen, dass ich definitionsgemäß im Erdgeschoß wohne. Im Anschluss könne mir zum kostengünstigen Preis von € 2,50 eine Privathaushaltsbestätigung ausgestellt werden, wahlweise dort oder hier. Bis zum aktuellen Zeitpunkt liegt mir keine Privathaushaltsbestätigung vor.

So. Und jetzt meine Frage: Warum ist das so?

Aus meiner Perspektive gibt es darauf nur zwei mögliche Antworten: Entweder an Ihrem Amt haben Personen das Sagen, die ihre Lebensaufgabe darin sehen, Bürger an der Nase herumzuführen und ihnen ohne erkennbaren Sinn und Zweck Geld und Zeit zu stehlen. Oder selbige Personen sind von derart exquisiter Unfähigkeit, dass man sich fragt, wie sie durchschnittlich an drei von fünf Werktagen ins Amt finden.

Egal, wie die Antwort ausfällt (und man fragt sich, welche schlimmer wäre): Meine persönliche Meinung ist die, dass allein aufgrund der oben skizzenhaft umrissenen Tatsache mindestens fünf Verantwortungsträger fristlos entmündigt werden müssten.

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